Startlochschießen

formenbauer, Mittwoch, 21. März 2012, 21:50 (vor 2560 Tagen)

Guten Abend,

diese Woche will ich auf einer Senkerodiermaschine Startlöcher schießen mithilfe eines Schnelllaufkopfes. Das ist absolutes Neuland für mich. Die Durchmesser sind 0,8 mm und 1,0 mm, Mehrkanal. 60 Bar Spüldruck wären vorhanden... Die Löcher sind Durchgangslöcher, ca 15 mm tief...

Gibt es irgendwelche Tipps, Tricks zum ausrichten der Elektroden? Wie geht man genau vor?

- Kann man die Röhrchen gratfrei Trennen ohne sie zu zerstören?

- Ab wann (Länge) muss ich mit einer Keramikführung arbeiten, oder ist dass zwingend notwendig?

- Wie wird die Mitte der Elektrode aufgenommen? Kann ich direkt damit anfahren?

Beste Grüße!

Formenbauer

Startlochschießen

Klaus72 @, Stuttgart, Donnerstag, 22. März 2012, 16:46 (vor 2560 Tagen) @ formenbauer

Hallo Formenbauer,

wir verwenden die Startlochbohrmaschine nur zum Herausbohren von abgebrochenen Gewindebohrern oder zum Einbringen von Startbohrungen für das anschließende Drahterodieren. Die Löcher haben keine besonders gute Qualität, aber dafür geht es superschnell.
Pro Minute schafft man etwa 10-20 mm Bohrtiefe.

- Kann man die Röhrchen gratfrei Trennen ohne sie zu zerstören?
Mehrkanal-Röhrchen kann ich Dir beim Startlochbohren nicht empfehlen, weil sie sich nur drahterosiv trennen lassen, damit die Spülbohrungen offen bleiben. Der Aufwand lohnt nicht.
Alle anderen Trennversuche schmieren die Bohrungen zu.
Einkanal-Röhrchen lege ich auf eine Granitplatte und rolle sie mit leichtem Druck mit einem Teppichmesser ein paar Mal hin und her bis es Klack macht. Die innere Bohrung bleibt dabei offen.
Oder die Röhrchen ca.30 mm durch die Führung durchfahren. Elektrode rotieren lassen, mit Daumen und Zeigefinger das untere Ende festhalten. Mit einer scharfkantigen Feile direkt an der Führung entlang streichen, bis der Zipfel ab ist.

- Ab wann (Länge) muss ich mit einer Keramikführung arbeiten, oder ist dass zwingend notwendig?
Für dicke Elektroden-Röhrchen, zum Entfernen von Gewindebohrern, braucht man keine Führung. (Durchmesser 4 mm, freie Länge 50 mm)

Keramikführungen sind extrem teuer und zu empfindlich. Keramikführungen sind beim Startlochbohren Perlen vor die Säue geworfen. Ich empfehle Dir in einen Standard-Passstift Durchmesser 5 x Länge 15 mm selber eine Bohrung der Länge nach zu drahten. Spiel ca. 0.03 mm.
Das weiche Kupfer und der gehärtete Passstift haben eine unbegrenzte Lebensdauer.
Angefressen hat bei mir noch nie eine Elektrode. Die Elektrode wird dann sauber auf 15mm Länge und rechtwinkelig geführt. Die obere Pinole sollte natürlich einigermaßen mit der unteren Führung fluchten.

Fahre die Elektrode ca. 100 mm nach unten durch die Führung durch und lasse sie rotieren.
Die Elektrode darf keinen Schlag haben. Wenn nicht, von Hand etwas biegen bis sie sauber rund läuft.


- Wie wird die Mitte der Elektrode aufgenommen? Kann ich direkt damit anfahren?
Taste mit der rotierenden Elektrode an. Danach die Führung nicht mehr verstellen.

Wenn bei superkleinen Konturen die obere Fläche nicht beschädigt werden soll, kannst Du durch ein Stück 0.5mm-Hasbergfolie, die mit einem Magnet fixiert wird, durchbohren.

Ich hoffe, dass ich Dir damit weiterhelfen konnte.

Grüße aus Stuttgart

Startlochschießen

formenbauer, Sonntag, 25. März 2012, 16:35 (vor 2557 Tagen) @ Klaus72

Hallo Klaus,

super, Dankeschön!

Startlochschießen war vielleicht falsch ausgedrückt. Es geht um Herstellung von Durchgangslöchern für Auswerferstifte in Spritzgusswerkzeugen, die wir anschließend magnels Drahterodiermaschine auf genauen Durchmesser Senkerodieren.

Positionsgenauikeit sollte also relativ hoch werden.

Ursprünglicher Gedanke war mit einem Taster die Mitte des Werkstücks aufzunehmen und dann erst den Schnelllaufkopf einzusetzen (Erowa ITS 50). Aber denke dass es doch genauer ist direkt am Werkstück mit der Elektrode die Mitte an zu tasten, da ich nicht sicher bin wie genau die Mitte des Kopfes auf die Mitte der Führung passt....

Wieviel Abstand sollte zwischen Werkstück und Führung der Elektrode sein?

Sollte man nur durch die Elektrode spülen oder empfiehlt sich zusätzlich ein Spülschlauch? Oder gleich mit gefülltem Tank?

Beste Grüße!

Formenbauer

Startlochschießen

Klaus72 @, Stuttgart, Sonntag, 25. März 2012, 18:39 (vor 2557 Tagen) @ formenbauer

Hallo Formenbauer,

die Position von den Auswerferbohrungen ist nicht so wichtig. Plus/Minus 0.2mm ist ausreichend. Viel wichtiger ist der genaue Durchmesser mit maximal 0.02mm Spiel, sonst Original-Zitat unseres Azubis: "pisst es da rein".

Drahterodieren auf den genauen Durchmesser geht bei so kleinen Durchmessern sehr schnell und zuverlässig (ca.3 min/Loch), aber ohne Maschine ist das schwierig.

Mache in einem Probestück erst verschiedene Versuche, bis alles klappt.
IMMER MIT(!) gefülltem Becken, dass keine Luft an die Erodierstelle kommt.
Ist das Loch durch, fällt der Druck ab und die zentrale Spülung durch die Elektrode ist dann überflüssig. Dann seitich spülen und die Rotation hat eine zusätzliche Spülwirkung. Die Führung möglichst nahe, ca. 5mm über dem Werkstück positionieren. Nach unten eiert die Elektrode gerne und macht schnell ein viel zu großes Loch, aber oben ist ja die spätere Dichtfläche von dem Auswerfer und in der Nähe der Führung wird es genauer.

Wenn das Loch zylindrisch werden soll, die Rotation ausschalten. Das geht aber dann auf Kosten einer viel schlechteren Spülung.

Wenn die Position genau sein soll, dann mit Rotation. Dann wird das Loch nicht mehr genau zylindrisch.

Gruß
Klaus

Startlochschießen

EDM-Anwender, Sonntag, 25. März 2012, 20:40 (vor 2557 Tagen) @ formenbauer

Hallo Formenbauer,

habt ihr keinen Drahterodierer?
Frag doch mal bei der Fa. EroTool GmbH an, die sind auf sowas spezialisiert.

www.erotool.com

Schöne Grüße

Startlochschießen

formenbauer, Dienstag, 17. April 2012, 21:08 (vor 2534 Tagen) @ EDM-Anwender

Hallo Guten Abend,

inzwischen habe ich einige Löcher erfolgreich hergestellt.

Gearbeitet habe ich mit Elektroden Durchmesser 1 und 0,3, drehender Spindel und Keramikführung (Stahlführung (Passstift) funktioniert nicht bei uns, da "Kontakt" vorhanden)

Positionsgenauigkeit der Auswerfer ist bei uns extrem wichtig. Platz ist oftmals sehr wenig da und das ganze muss ja schließlich auch laufen. Bei größeren Durchmessern schauts schon wieder anderst aus.

Positions-Genauigkeiten von +- 0,02 auf 16 mm Höhe konnte ich durch anfahren mit drehender Spindel erreichen. Durchmesser oben 0,04 kleiner als in der Ausgangsbohrung.

Da ich die "Startlöcher" aber nur brauche um es anschließend auf genauen Durchmesser durchzusenken kann ich damit leben. Anschließend werden die Bohrungen bei uns noch gehohnt.

@EDM-Anwender:

Klar arbeiten wir mit Drahterodierfirmen zusammen. Aber so sind wir flexibler, und es macht ja auch Spaß was neues auszuprobieren und hat sich ruckzuck gelohnt ;-)

Beste Grüße!

Formenbauer

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